Story von Jara: Spieglein, Spieglein…

Geschichten aus dem Leben einer Mama. Geschrieben und erlebt von meiner Freundin Jara (www.jara-design.de).
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Spieglein, Spieglein an der Wand…
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Der Wecker klingelt…
Aus dem Tiefschlaf gerissen versuche ich nach ihm zu schnappen und es gelingt mir wie immer ihn vom Nachttisch runterzuschmeissen und wundere mich, was diese MadeInChina-Produkte tatsächlich alles aushalten.
Ich schleppe mich ins Badezimmer, der Blick in den Spiegel muntert mich wieder auf: ich bin Ü30, habe wunderschöne Haut, ohne Pickel oder Fältchen, richtig gesund und frisch, und das direkt nach dem Aufstehen ohne Tricks und Schminke. Meine Haare binde ich zusammen und creme mich ein wenig ein – fertig. Make-up nicht nötig.
Kinder anziehen und in den Kindergarten bringen – ganz easy und mit einem Lächeln auf den Lippen, die Welt ist so schön und ich auch.
Wieder zu Hause mache ich mir erstmal einen Kaffee und setze mich gemütlich ins Wohnzimmer. Die Sonne scheint durch die sauberen Fensterscheiben rein, entspannt nehme ich die Tageszeitung und denke an meinen sportlichen jungen Postboten, der mir heute meinen Paket bringen sollte.
Die Zeitung blättere ich durch, bei einem Bild bleibe ich aber stehen..
Die Frau kommt mir bekannt vor…
Angelina Jolie?
Nee…
Oder Cathrin Zeta Jones?
Ja, das eher, aber was steht da drunter geschrieben?… Die Buchstaben sind so klein und schlecht gedruckt, ein wenig verschwommen.. Eine Frechheit! Und dafür zahle ich so viel Geld?
Da fällt mir ein, dass ich gestern von meinem Optiker eine Probebrille bekommen habe.
Er ist unser guter Bekannter, mein Mann hat mich zu ihm geschickt, ich soll prüfen lassen, ob meine Augen in Ordnung sind.
So ein Quatsch, ich brauche garantiert keine Brille!
“Ja, ja,” lächelte mich der Optiker an und sagte: “solltest du nicht zufrieden sein, bringst du sie einfach zurück.”
Ich setze die Brille auf und tatsächlich! Die Buchstaben sind lesbar – groß und scharf. Wow! So ein Unterschied gleich…
Es klingelt an der Tür: “Hurra, mein Paket ist da!”
Leider ist es nicht mein Lieblingspostbote… Stattdessen einer mit Bäuchlein und müden Gesichtszügen…
Egal, ich bedanke mich schnell und knalle die Tür zu. Komisch, die Stimme kam mir aber irgendwie bekannt vor…
Ich gehe zügig durch die Wohnung, und fühle etwas seltsames – irgendwie kommt mir alles ein wenig matt vor…
Die Fenster verschmiert, der Boden staubig.. Ich schaue wieder in die Zeitung und statt Angelina sehe ich – meine Schwiegermutter…!!!
Wurden mir gerade mit dem Paket irgendwelche Drogen mitgeliefert???
Langsam wird mir einiges klar – mein Postbote, mein Haushalt, oh Gott – und ich???
Das muss ich gleich in Ordnung bringen!!!
Ich stehe auf und gehe zur Küche, dabei meide ich strengstens einen Blick in den großen Spiegel an der Wand!
Ich nehme das Telefon, wähle eine Nummer und warte.
“Optiker Maurer, wie kann ich Ihnen helfen?”
“Du Marcus, ich bin überhaupt nicht mit der Brille zufrieden, ich bring dir die am besten sofort zurück!”
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Patricia

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